Sicherheit

Seemannsgarn oder neudeutsch "Smalltalk"
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Bingum12
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Sicherheit

Beitrag von Bingum12 » Di 19. Okt 2021, 21:37

Neptun 22/Miglitsch
Sicherheit

Moin,

wir waren dieses Jahr im Sommer auf dem Stettiner Haff (Polen/Usedom) unterwegs.
Es war eigentlich ein wunderbarer Urlaub!
Aber, es war doch manchmal etwas windiger, wie vorhergesagt.
Auch war die Welle manchmal doch etwas sehr heftig, wohl ähnlich wie auf dem Ijsselmeer.
Wir möchten nun, unsere Sicherheit erhöhen, denn wir möchten nächstes Jahr Rügen erkunden.
Wir haben nur folgende Sicherheit dabei:
1. Schwimmweste
2. Lifebelt
3. Bergeschlaufe
4. Seekarten
5. Navi
6. Kompass
7. Tiefenmesser
Natürlich haben wir auch einen neuen Motor, neue Segel, Reffanlage, neue Wanten usw..
Die Neptun ist Werftgepflegt.

Gerne hätte ich gewusst, was wir noch machen können, um die Sicherheit zu erhöhen?

Danke!

Stefan
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outdoor
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Re: Sicherheit

Beitrag von outdoor » Mi 20. Okt 2021, 09:28

Moin

habe bei mir in der Schwimmweste ein EPIRB eingebaut.
das löst bei Wasserkontakt aus und kann ca. 24h senden

darüber wird die Person im Wasser per AIS gefunden (wäre gut wenn Du hierfür AIS an Bord hättest)

macht bei uns an der Küste eher Sinn als die Satelliten-gestützten Geräte, zumal bei denen das Funksignal u.U. erst nach 2h anfängt zu senden (Umlaufbahn der Sats)

- Funk
- Sturmfock und Sturmsegel (wird fliegend gefahren) wäre vlt. nicht schlecht
- Rettungsring zum Hinterherwerfen
- IOC Boje zur Markierung (falls Du kein EPRIB willst)
- Leckstopfen
- Nebelhorn bzw. anderes Gerät um Schallsignale zu geben
- Fernglas mit integriertem Kompass

zum Lifebelt: mach Dir mal Gedanken/Überlegungen wie der angebracht werden soll. hatte den auf der Westerly vorher bewusst mittig, also von den Deckshandläufen zum Mast und von dort zur Bugklampe geführt. Warum? damit die Person gar nicht Gefahr läuft über die Reling zu gehen, sondern wenn würde sie zur Mitte des Schiffs gezogen. Aber das musst Du für dich entscheiden.

ansonsten hast Du eigentlich alles, Anker mit genügend Kette falls Du in einer Bucht abwettern willst setze ich mal voraus
ansonsten Hilft immer gute Seemannschaft, d.h. Karte und mögliche Optionen vorher angucken
und denk dran: wenn Wetter umschlägt ggf. besser raus aufs Meer fahren als sich küstennah aufhalten (Stichwort Darßer Ort, kann die Diskussionen nicht nachvollziehen)

mag auch alles übertrieben sein, kenne Leute die segeln mit weniger in der Deutschen Bucht rum, letztlich hängt es von Dir als Skipper ab und kommt auf Dich und Deine Crew an
wenn man bedenkt dass vor 20-25 Jahre die Leute ohne dieses ganze Gelumpe bei uns an der Küste oder rüber nach England etc. gesegelt sind ...

so viel ich verstanden habe, liegen doch auch hier aus dem Forum einige mit ihrem Kutter um Rügen, vlt. ist es sinnvoll auch eine schöne Möglichkeit sich mit diesen abzuastimmen und gemeinsam (Flotille) zu segeln
so wie die Leute hier im Forum drauf sind, lfen die Dir gerne weiter

by the way:
kann jedem, der auf See will nur empfehlen, mal einen entsprechenden Sicherheitslehrgang mitzumachen. hierzu gibt es verschiedene Anbieter.
man wird nciht dümmer davon und bekommt mal ein Gespür/Gefühl wie das in solchen Ausnahmesituationen ablaufen kann

fair winds
Norbert
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Re: Sicherheit

Beitrag von THM » Mi 20. Okt 2021, 15:26

Hallo Stefan,

Norbert hat schon das meiste genannt. Allerdings muss man auf unseren kleinen Booten aus Platzmangel Abstriche machen und entsprechend Prioritäten setzen. Z.B. würde eine Rettungsinsel die Sicherheit erhöhen, hat aber keinen Platz auf einer 22er. Du bist zwar in einem Revier, wo fast überall Mobilfunkempfang vorhanden ist, ein Funkgerät bietet aber mehr Sicherheit da ein Notruf sofort an alle geht und per DSC die Position übermittelt wird. Falls es am fehlenden Funkschein liegt, hättest Du eine nette Winterbeschäftigung :tone: .

Du hast in Deiner Aufzählung ein Navi erwähnt. Falls das ein PKW-Navi oder eine Smartphone-App ist, solltest Du über die Anschaffung eines Plotters nachdenken. Wenn es kritisch wird, nimmt einem der Plotter einiges an Arbeit ab und man kann sich auf andere Dinge konzentrieren. Wir sind diesen Sommer auf dem Weg von Kap Arkona nach Glowe in kräftige Regenschauer geraten und hatten kaum Sicht. Den Hafen kann man zwar per Kompass ansteuern, mit Plotter und einem Wegpunkt zur Hafeneinfahrt war es aber eine Punktlandung und deutlich entspannter.

Bei mehreren Personen auf dem Boot kann man sich am Ruder abwechseln, Du solltest aber bedenken dass bei einer Rügen-Runde auch Etappen von 25 - 30 nm dabei sind. Es kann ja auch mal jemand durch Seekrankheit ausfallen. Deshalb sehe ich den Pinnenpilot als nützliches Zubehör um die Crew zu entlasten. Das erhöht indirekt auch die Sicherheit.
Bingum12 hat geschrieben:
Di 19. Okt 2021, 21:37
Aber, es war doch manchmal etwas windiger, wie vorhergesagt.
Auch war die Welle manchmal doch etwas sehr heftig, wohl ähnlich wie auf dem Ijsselmeer.
Die 22er hat vergleichsweise wenig Freibord, d.h. schon bei mittleren Wellenhöhen segelst Du entsprechend nass. Deshalb ist gute Segelkleidung bzw. Wetterschutz ein Muss (Jacke, Hose, Stiefel, Sprayhood). Die Ostsee und insbesondere die Bodden sind flach und entsprechend kurz und unangenehm sind die Wellen. Ich verwende meist die Windfinder-App zur Planung und richte mich nach den Böen-Vorhersagen, zusätzlich werden Wellenhöhen angegeben. Dass die Vorhersagen manchmal von der Realität übertroffen werden, hast Du ja schon festgestellt. Ich richte mich grob nach den Farben: Blau heißt gemütliches Segeln, bei Grün wird es sportlich und bei Gelb bleibt man im Hafen. Leider schweigt sich Windfinder über das verwendete Wettermodell aus. Deshalb gleiche ich gern mit dem DWD ab bzw. beziehe von dort per kostenlosem Mail-Abo jeden Morgen eine Seewettervorhersage für mein Revier. Grundsätzlich hat die Qualität der Vorhersagen nachgelassen, da durch Corona weniger Flugverkehr ist und entsprechend weniger Messdaten zur Verfügung stehen. Das sollte sich aber zukünftig wieder bessern.

Gruß
Thomas
Neptun 25 KS "Whisky", Volvo MD2010, Rufzeichen DC3051, MMSI 211 114 650, Liegeplatz: Barth
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Re: Sicherheit

Beitrag von outdoor » Mi 20. Okt 2021, 15:47

Windfinder verwendet GFS als Wetterbasis (also das amerikanische Modell) - muss jeder für sich entscheiden, ob das ausreicht
bei Windy hast du die gebräuchlichsten Modelle in einer Übersicht

wegen Rettungsinsel: bei uns sieht man oft bei kleineren Booten ein Schlauchboot (mit entsprechender Trossenlänge) im Schlepp
das könnte eine Ooption sein

von daher bleibe ich bei meinem Rat:
frag die Rügen-Skipper hier im Forum, ob Du nicht mit denen mitsegeln kannst
dabei kannst Du sicherlich was Planung etc. betrifft, Dir einiges abgucken und lernst vlt. auch interessante Ecken/Winkel von Rügen kennen, an denen Du sonst ggf. vorbeigesegelt wärst ...

es kommen ja noch weiter eAspekte hinzu
wenn Du Dir mal bei Navionics Wep App das Gebiet um Rügen anschaust, musst Du als Skipper ja entsprechend jederzeit planen und reagieren können

angenommen (wie Thomas schon schreibt) es kommt - wie öfters in dieser Saison - mehr Wind auf als vorhergesagt, dann musst die um die N-Teil von Rügen schon entsprechend gucken wie Du segelst, bei N-lichen Winden solltest Du Dich entsprechend von der Küste freihalten, d.h. raus aufs offene Wasser fahren, was je nach Crew nicht zur Begeisterung führt ... (-> Legerwall)

wenn wir schon bei Seegang und Welle sind: wenn ich raus auf die Nordsee möchte, verfolge ich immer ein paar Tage vorher den Wetterbericht (Wind) um dann ggf. auf ein "Altsee" und damit verbunden eine mögliche Kreuzsee

alles Dinge und Punkte die nicht auftreten müssen aber evtl. können wenn es blöd läuft, und dann bist Du als Skipper gefordert ! (rechts ranfahren geht nicht )
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Re: Sicherheit

Beitrag von Bingum12 » Fr 29. Okt 2021, 19:29

Moin,

um die Sicherheit zu erhöhen, werde ich mir also nun ein Funkgerät kaufen.

Muss ich denn unbedingt einen "Funkführerschein" haben?

Ich möchte das Funkgerät doch nur für den Notfall benutzen, falls kein Handyempfang.

Stefan
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Re: Sicherheit

Beitrag von THM » Fr 29. Okt 2021, 20:22

Bingum12 hat geschrieben:
Fr 29. Okt 2021, 19:29
Muss ich denn unbedingt einen "Funkführerschein" haben?
Wenn Du es legal betreiben willst, ja. Ansonsten hatten wir hier schon einmal eine ähnliche Diskussion.

Gruß
Thomas
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Re: Sicherheit

Beitrag von Tenovice » Sa 30. Okt 2021, 02:02

Ich empfehle immer die Funke mit Lizenz zu betreiben. Zum einen ist das das SRC (Short range certificate) und zum anderen die Registrierung bei der Bundesnetzagentur für die Ship Station License.

Natürlich wird im Notfall keiner schauen, ob der Notruf nun mit oder ohne Lizenz abgeschickt wurde... Etwaige Kontrollen finden aber nicht im Notfall statt und dann kann es ziemlich teuer werden

Und mal losgelöst von den Kosten, das Wissen um die richtige Bedienung eines Seefunkgerätes mit DSC ist sicherlich nicht hinderlich, wenn man es benötigt.

Ansonsten empfehle ich im Bereich Rügen ein reffbares Vorsegel, reffbares Groß und ein Funkgerät.
Hauptsache gesund und die Frau hat Arbeit...
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Re: Sicherheit

Beitrag von landi » Mo 1. Nov 2021, 11:01

Moin Stefan,

deine Überlegungen hinsichtlich Sicherheit sind in jedem Falle berechtigt. Ich glaube, es gibt nur wenig was dem bereits genannten hinzuzufügen wäre.

Nach meinen Erfahrungen aus den letzten beiden Jahren Rund Rügen empfehle ich Dir nachfolgendes. Das sind nun alles keine sicherheitsrelevante Dinge aber sie beruhigen ungemein wenn sie vorhanden sind:
  • Werkzeug
  • Diverse Schrauben Metrisch/Holzschrauben
  • Diverse Muttern
  • Lüsterklemmen
  • paar Meter Draht
  • Ersatzimpeller
  • Schleppleine
  • Hahnenpot oder diverse Taue um selbst einen zu basteln
  • Rerservekanister gefüllt
  • 2.ter Satz Festmacher, je nachdem wie lange der erste Satz ist diesen mit Überlänge oder etwas kürzer als der erste Satz
  • Diverse Schäkel, eventuell Softschäkel
  • Verlängerunskabel und Adapter Schuko <=> CEE
  • Portpoti
  • 2 Teleskop Bootshaken
  • 2 Bojenkhaken mit Tau
BTW Lass mal was von Dir hören wenn Du mit Deiner Planung einen Schritt weiter bist.

Gruss, Jürgen
Neptun 22, Bj. 10/77, Segelnummer 3501, Backdecker, Dinette
10 PS Nanni Diesel
Refit, Komplettsaniert
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