Neptun 20, sowas wie ein refit

Seemannsgarn oder neudeutsch "Smalltalk"
Antworten
Ajona
Landgänger
Beiträge: 8
Registriert: So 15. Nov 2020, 18:56

Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Ajona » Mi 6. Jan 2021, 19:38

Hallo zusammen, nachdem ich schon ein paar Fragen gestellt habe wollte ich mich hier mit dem Boot von mir und meiner Freundin mal vorstellen, eine Neptun von 1977 mit der Baunummer 928 (sofern die Angabe korrekt ist).

Kurz zu mir: gelernter Tischler der sich in die Industrie verloren hat sucht handwerkliche Arbeit mit Spaß im Sommer, was tut man also?
Man macht einen Segelschein und kauft ein Boot!

Gemacht getan, letztes Jahr um August waren wir ohne Ahnung stolze Besitzer einer Neptun 20
- etwas in die Jahre gekommen
- etwas verbastelt
-wenig gepflegt
-ungsegelt
-ohne Beratung beim Kauf
Gibts bessere Voraussetzungen?
Bild

Freitags gekauft, sonntags im Wasser- dann kamen die überraschungen:
- Wassereinbruch, aber von oben!
- viele kaputte Stellen im Gelcoat...
- Bug und Heckkorb verbogen
- Segel, ja, waren auch dabei! Ein Groß, noch ok, eine Genua mit der Stabilität von chinesischem Reißpapier und eine sturmfock
- Decksluke undicht und kaputt
- das Unterwasserschiff wurde zwar jeder Jahr gestrichen aber wohl vorher nicht gereinigt oder so...

Fazit: viel zu tun!

Aber: ein paar Stunden segeln bei bestem Wetter machen alles wet und wir sind überglücklich!

Jetzt ist die Saison vorbei und es geht ans basteln-
Nach einer Woche Intensivarbeit ist das gute Stück jetzt von innen leer und von außen ist einiges geschehen, Körbe gerichtet, Luke entfernt, Hundach mit schiebeluk abgebaut ( hier muss Laminiert werden), einige Stellen im Gelcoat ausgespachtelt, Mastfuß abgebaut und gerichtet und vitalem der alte Name ist ab!
Auch auf die Gefahr hin das Ich schimpfe bekomme: ja, wir taufen unser Boot um!

Und jetzt steht das Boot bei fricke und dannhus für eine Sanierung des unterwasserschiffs. Wenn’s von dort wieder da ist gehts mit dem refit weiter und ich werde euch mit Bildern und viel fragen auf dem laufenden halten!

Bild

Unseren Neptun wird übrigens nicht Original erhalten sondern von innen etwas moderner, so zumindest die Hoffnung. Bilder der neuen Schotts sowie der Treppe sollten hier gleich sichtbar sein!

Bild

Bild

Ich freue mich auf spannende Diskussionen und viele gute Hilfestellungen durch die Community und vielleicht treffe ich den ein oder anderen ja mal am Dümmer

Bis dahin
Jonas
Zuletzt geändert von THM am Mi 6. Jan 2021, 22:24, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bilder eingebunden
jan himp
Skipper
Beiträge: 385
Registriert: Mi 20. Jun 2018, 16:50
Wohnort: Ratingen
Kontaktdaten:

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von jan himp » Do 7. Jan 2021, 15:58

Moin Jonas,

der Kutter ist äußerlich nur ungepflegt.
Alle Zierstreifen sind sogar noch dran.

Der schwarze Mast deutet auf die größere Segelfläche hin.

Sogar die guten Hebelwinschen von BARTON hat er noch. Bessere gibt es nicht!

Auffallend ist der kurze Bugkorb, den es nur bei der 22er gibt. Der Korb der 20er ist doppelt so lang.

Wo ist denn das Gelcoat defekt?
Das kann doch nur an den Relingstützen und unter den Füßen der Körbe entstehen.
Die Lunkerstellen innen gelten nicht, die sind ein Feature. Die gab es ohne Mehrpreis.

Warum muß denn das Unterschiff gemacht werden?
Ein Mangel kann doch nur eine Beschichtung mit Hartantifouling sein. Osmose sind da nicht bekannt.
Wie ich jetzt hörte, kann man da auch VC 17 drüberpinseln. Habe ich selbst noch nicht probiert.

Das Wasser kommt immer von oben. Die Ursache ist aber leicht zu finden.
Außer Vorluk, Püttings und Ankerkasten fällt mit nichts ein.

Innen räumt Ihr ja heftig auf. Wahrscheinlich zweckdienlich. Nur aufpassen, daß hinterher Gäste nicht freiwillig
die Karte der Krankenkasse vorzeigen. Das gab es bei Dehler nicht nur einmal.

Über der Traverse in dem Schott ist ein Spalt zu sehen. An der Stelle muß eine lückenlose Unterstützung bestehen!
Das Schott darf sich auch nicht unter Last nach innen wegbiegen. Wahrscheinlich war die Konfiguration nur für das Foto dargestellt.

Wenn die bei Fricke und Dannhaus steht, kommt wahrscheinlich eine Schönheit dabei raus.

Der rote Radlader gefällt mir wirklich!

Viel Erfolg,

Rolf

http://www.agfs.de/neptun-20-jan-himp.html
ehem. NEPTUN 20 Nr. 848

Wir halsen auch für Enten!
Ajona
Landgänger
Beiträge: 8
Registriert: So 15. Nov 2020, 18:56

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Ajona » Do 7. Jan 2021, 17:30

Vielleicht also doch nicht so schlecht?
Gelcoat ist an vielen Stellen abgeplatzt, stellen meist so ca 5mm im Durchmesser uns an vielen Stellen gerissen.
Merkwürdig bei dem bugkorb ist das es keine Bohrungen von einem längeren gibt, vielleicht ohne gekauft und später selbst einen nachgerüstet?

Bei dem Schott ist mittig das Brett nur als Verlängerung der Schotten gedacht, im Original sind die Schotts nur links und rechts, in der Mitte gibts es keine Auflage, die auflageflächen ist exakt so groß wie vorher!

Was meinst du mit der Krankenkasse? Verstehe ich da einen Witz nicht? :hmm:
jan himp
Skipper
Beiträge: 385
Registriert: Mi 20. Jun 2018, 16:50
Wohnort: Ratingen
Kontaktdaten:

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von jan himp » Fr 8. Jan 2021, 10:30

Moin Jonas,

die Schäden am Gelcoat kann ich nicht erklären.

Haarrisse sind häufiger.
Die treten um den Mastfuß besonders dann auf, wenn ein Koker und keine Schiene vorhanden ist.
Beim schwarzen Mast gibt es in aller Regel eine Schiene, die auch noch eine intelligente Innenschiene haben kann,
um beim Mastlegen das Dach nicht zu beschädigen.
Gelegentlich entstehen Haarrisse auch beim Kranen, wenn das Steckschott nicht eingesetzt ist.
Um die Relingfüße herum, sind Haarrisse bei Gebrauchtbooten allgemein üblich, auch bei anderen Fabrikaten.

Die Backskistendeckel sind oft zu schwach und können aber leicht verstärkt werden.

Achte darauf, daß bei einer Änderung an dem Schott die Statik unter dem Mast stimmt!

Zu der Krankenkassenkarte:

Es begab sich zu der Zeit, daß Dehler die Produktionskosten durch Einsatz von vorgefertigten Kunststoffteilen
reduzieren wollte. So kamen an allen möglichen Stellen weiße und braune Kunststoffteile zum Einsatz.
Die damals schnellsten Boote, die Dehler 34 und die DB1 sahen dann innen aus wie Zahnarztbehandlungszimmer.
Besucher fürchteten, wenn sie den Niedergang runterkamen, jemand würde am Navitisch sitzen und nach der Gesundheitskarte fragen.
Eine Varianta, oder eine Dehler 22 führen eigentlich diese Tradition fort.

LM arbeitete auch mit Fertigteilen. Produzieren heute fertige Flugzeugtoiletten und einbaufertige Badezimmer für maritime Plattenbauten.

Viele Grüße,

Rolf.
ehem. NEPTUN 20 Nr. 848

Wir halsen auch für Enten!
Benutzeravatar
Virus
Skipper
Beiträge: 459
Registriert: Di 19. Jun 2018, 16:16
Wohnort: Unna

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Virus » Fr 8. Jan 2021, 11:55

Hi,

ist schon einige Tage her, da wollten wir nur noch Mobilheim mieten und Tagesausflüge machen, dafür hatte ich eine 20er gekauft und etwas hergerichtet. Bin heute fast wieder so weit, vor allem könnte ich die mit einem kleineren Auto ziehen.

https://www.neptun-forum.de/viewtopic.php?f=7&t=2739

Vielleicht nutzt ja das ein oder andere Bild etwas beim Refit.

Gruß
Willy
Neptun 25 Segel Nummer 122
Black Earl
Landgänger
Beiträge: 18
Registriert: So 13. Dez 2020, 16:41
Wohnort: 49356 Diepholz

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Black Earl » So 10. Jan 2021, 10:12

Sehr schön dann weiß ich ja das schon Mal einer aus dem Forum nächstes Jahr mit mir den dümmer unsicher macht. Würde mich Mal interessieren was Fricke und danhus für das Unterwasserschiff über den Daumen nimmt damit ich weiß was ich an Geld gespart habe, da ich das bei mir selber mache. Kommst du den hier aus der Gegend ? Komme aus Diepholz vll kann man sich ja Mal auf einen Kaffee treffen und Seemannsgarn austauschen :D
Hast du dich schon für einen Liegeplatz entschieden?
Ich habe mir einen bei piening reserviert.
Liebe Grüße. :Daumen:
Neptun 210 BJ 1971
Ajona
Landgänger
Beiträge: 8
Registriert: So 15. Nov 2020, 18:56

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Ajona » Sa 10. Apr 2021, 12:13

Inklusive der Überholung des Kiels- schwertausbau- verzinken- entfernen von 35 Jahren antifouling hat fricke ca 2,5 Euronen genommen. Mehr als fair wie ich finde!
Wir liegen mittlerweile in hüde bei Ralf im Hafen.
Bild
Bild
Bild
Mal schauen ob das mit den Bilder jetzt besser klappt als letztes mal.
Was uns jetzt noch fehlt sind neue Segel!
Bisher haben wir ein komplett ausgewehtes groß, eine schreckliche Genua womit man nur noch vor dem
Wind segeln kann und eine fock.
Werden den nächsten sonnigen Tag nutzen um die lieklängen zu messen und unsere Freunde vom sailservice-germany um ein paar neue Tücher zu bemühen!
chris
Skipper
Beiträge: 322
Registriert: Fr 22. Jun 2018, 12:53

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von chris » Sa 10. Apr 2021, 13:00

Hallo Jonas,

sieht schon gut aus! :Daumen:

Habt ihr schon mal den Mast gestellt und die Wanten gespannt?

Bei mir drückt der Decksbalken ordentlich auf die Vorschiffs-Schotts. Sind diese anfangs locker,
sind die bei gestelltem Mast bombenfest. Zudem bildet sich zur Schale rechts und links oben ein deutlicher Spalt.

Vielleicht merkt ihr das auch gar nicht, denn ihr habt ja genau den Bereich herausgenommen, wo der
Balken auf die Schotts drücken würde.

Grüße,
Christian
Ajona
Landgänger
Beiträge: 8
Registriert: So 15. Nov 2020, 18:56

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Ajona » Sa 10. Apr 2021, 13:09

Boot ist aufgebaut und schon gesegelt, die Schotts waren vorher nur links und rechts, in der Mitte gab es eine Lücke.
Maßlich sind die neuen genau angepasst, durch den Sturz oben werden die Kräfte aufgenommen und auf die Schottwände umgeleitet.
Bisher konnten wir keinerlei Verformung feststellen.
Aber trotzdem danke für den Hinweis!
Black Earl
Landgänger
Beiträge: 18
Registriert: So 13. Dez 2020, 16:41
Wohnort: 49356 Diepholz

Re: Neptun 20, sowas wie ein refit

Beitrag von Black Earl » So 11. Apr 2021, 20:57

Dann erstmal herzlichen Glückwunsch sieht doch fein aus habe letzte Woche schon davor gestanden. War mit einem Kollegen und seiner Fam segeln da ich meine noch nicht ganz fertig habe. Hoffe ich bekomme das noch im April hin. Darf man fragen wie viel Schubkraft sein Aussenborder macht? Wir hatten am Freitag bei 4 Windstärken schon arge Probleme mit seiner Fam an den Steg zu kommen. Zwecks mangelnder Erfahrung haben wir das Boot dann lieber wieder in die Box gebracht bevor wir noch was kaputt machen. Er wollte sich nun auch einen Außenborder zulegen aber die Frage der Schubkraft steht da etwas im Raum. Mit dem Staaken musst man auf jeden Fall schon ordentlich schieben.
Neptun 210 BJ 1971
Antworten