Als die Welt noch in Ordnung war

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Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von jan himp » So 30. Dez 2018, 10:02

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Virus
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Virus » So 30. Dez 2018, 13:06

Moin,

für mich ist die Welt heute mehr in Ordnung, damals hätte ich mir unsere Neptun nicht leisten können, 1978 kostete sie, komplett mit Trailer und Kleinkram, über 60.000DM.

Gruß
Willy
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von jan himp » So 30. Dez 2018, 13:37

Lieber Willy,

das Foto ist von der BOOT in Ddf 1969.

Gruß,

Rolf
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Mephistopheles
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Mephistopheles » So 30. Dez 2018, 13:54

Moin zusammen,


ich bin sehr froh, in meinem Alter heute zu leben.

Ich kenne noch Zeiten, in denen ich zur Beschaffung von eher seltenen Informationen mit dem Fahrrad in die Unibibliothek gefahren bin und dann noch Tage warten musste, da die gesuchte Literatur nicht vor Ort verfügbar war.

Das gleiche bei Neuanschaffungen. Recherche und Bestellung heute in kürzester Zeit weltweit möglich.

Foren zum Informationsaustausch gab es auch noch nicht.

Also alles gut, wie es ist. Der Blick zurück ist oft viel zu romantisch verklärt.


Guten Rutsch
Markus
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Virus
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Virus » So 30. Dez 2018, 17:53

Hallo Rolf,

1969 bin ich in die Lehre gekommen, mit 65DM im Monat, da war an eine Neptun erst recht nicht zu denken. :lol:

Gewohnt habe ich in Dortmund Hörde, da wohnte auch Hoesch, alles war dreckig. Durch den Bahnhof fuhren, auf dem Werksgleis, die schweren Erzzüge, eine schwarze Lok zerrte von vorn, dabei dicke Rauchwolken ausstoßend und eine schob nach, ebensoviel Dreck in die Welt pustend.
Die Personenzüge wurden in der Regel ebenfalls von dampfbetriebenen Güterzug Lok bewegt.
Die meisten Menschen heizten mit Kohle oder Koks, im Winter lag ein Dunst über der Stadt der den Umweltschützern von heute einen spontanen Herzstillstand beschert hätte.
Autos und Motorräder die nicht bläuten waren selten, einen Dieselwagen erkannte man sofort an den Rußwolken die der Auspuff entließ.

Zur Lehrwerkstatt bin ich mit der Straßenbahn gefahren, Umbauwagen, Holzklasse.
Aber die Schüttelkisten waren innen sauber, Vandalen die ihre Drecksfüße auf die Bänke stellten gab es nicht, da war nämlich der Schaffner in seiner Kanzel und der hatte alles im Blick. Gewalt gegen Denselben gab es auch nicht, die normale Welt war, auch wenn es natürlich Verbrechen und Verbrecher gab, friedlicher. Diese beiläufige Kriminalität, dass man einfach mal zusammengekloppt wurde, dass man wegen einer Karstadt Jeans gemobbt wurde, auch nicht, jedenfalls nicht in meinem Umfeld.


Etliches war damals nicht so in Ordnung wie heute, vieles war aber auch schöner, auch ohne verklärten Blick zurück.
Durch den Stadteil in dem wir, meine Frau und ich aufgewachsen sind, würden wir heute, zu später, dunkler Stunde nicht mehr gehen. Und darum würde ich, wäre ich nochmal 14 Jahre alt, in der alten Zeit und nicht im Heute aufwachsen wollen.

Das war ein kurzer Blick zurück und nun richte ich den Blick ins nächste Jahr, freue mich auf die Neptun, Friesland und wünsche allen hier nur das Beste dafür.

Gruß
Willy
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Scorpionhits » So 30. Dez 2018, 23:59

... und vier Jahre später bin ich quasi geboren worden ;-)
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Hans-Dieter » Mo 31. Dez 2018, 11:01

Es ist ja alles Richtig was Ihr da schreibt, jetzt aber das aber!

Um es vorweg zusagen bin Baujahr 45 und in Hamburg groß geworden. Ich selber habe noch mit 6 Jahren Trümmer Steine geklopft mit dem das Haus meiner Eltern gebaut wurde. Mein Vater war sehr streng und er lernte mir alles Handwerkliche von kleinauf, warum so früh? Weil mein Vater im Kriege beide Beine verloren hatte und ich die Ersatz Beine für ihn waren. Vom handwerklichen Profitiere ich heute noch und ich bin ihm dankbar.

Ich kannte kein Intendo oder Handy, McDonald´s usw.. Meine Modellschiffe lötete ich aus Blechdosen es war das Fischereischutzboot Meerkatz und ich war mächtig stolz darauf. Zu Weihnachten bekam ich zwei kleine Elektromotoren dafür. Das Boot ist im gefahren, viele Jungs bestaunten das.

Leben wir wirklich gesünder oder nur anders, ich hatte das Glück nicht direkt in Hamburg sondern am Stadtrand zu wohnen, ich glaube schon das es im Ruhrpott nicht sehr umweltfreundlich war.

Kann nur sagen das ich mit beiden Situationen früher und heute zufrieden bin, es hat mich geformt auch wenn man nicht alles hat was man gerne möchte. Aber Anstand und Würde lassen heute zu wünschen übrig.

Willy,
da kann ich deinem Bericht nur recht geben, du hast es sehr anschaulich geschrieben.
Gruß Hans-Dieter
Jeder Mensch ist schlau, der eine vorher, der andere hinterher :mrgreen:
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von jan himp » Mo 31. Dez 2018, 12:37

Moin Willy und Hans-Dieter,

Ihr habt ja Recht.

Als 38er habe ich auch alles erlebt, allerdings fing das bei mir alles früher an.
Bei -18 Grad mit dem Rad zur Lehrfirma war auch dabei. Später mit der Heinkel.
Stundenlohn für einen bauleitenden Elektriker DM 2,27. SCHLÖSSER-ALT 0,25 l DM 0,36.

Im Gegensatz zu Dortmund und Duisburg war die Luft in Düsseldorf relativ sauber, wenngleich die 2-Takter 1:25 fuhren.
LKW zeigten in Steigungen die Rußzahl 6.

Die Bergleute, Stahlarbeiter, Leute vom Bau und Ingenieure arbeiteten unter übelsten Bedingungen. Sie allein legten aber den Grundstein zum Aufstieg des Landes. Die Engländer waren in der Verwaltung behilflich. Kopftücher gab es nur beim Steinekloppen.
Statistisch versteckte Arbeitslosigkeit brauchte noch nicht erfunden zu werden, denn es gab zu wenig Arbeitskräfte.
Politiker hatten zum Teil etwas gelernt und waren selten korrupt.
In keinem Studiengang wurde gelehrt, die aufblühende Industrie wieder zu zerstören.

Wir hatten auch einen Mörder, (Kürten). Verbrecher wurden noch echt bestraft. Allerdings waren in Düsseldorf die Richter fast ausnahmslos von der Nazi-Resterampe.
Polizisten waren Respektpersonen.
Ansonsten ging es wirklich nur aufwärts.
Die Straßen waren so kaputt, wie sie es heute im Westen wieder sind.

Aber die Autos waren aus heutiger Sicht einfach schön, bei miserabler Straßenlage.
Mercedes fuhren Ärzte und Direktoren, Käfer, (DM 4400,-), das mittlere Management. Der Kapitän galt als prolllig, hatte eine Hängerkupplung und gehörte zur Metzgerfraktion, oder in den Aufsichtsrat.
Mein Vater fand es ziemlich normal, daß ich als Fünfzehnjähriger mit seinem Käfer des öfteren mit 80 km/h über die Friedrichstr. und die Himmelgeister Str. fuhr. Da parkte niemand in der 2. Reihe.
Der Käfer durfte mit BV-ARAL bleifrei fahren. VW probte schon die ersten kleinen Betrügereien, wenn sie „Erschwerten Ein- und Ausbau“ und nicht benötigtes Material berechneten. Abgelehnte Garantie kannten die noch nicht, weil VW einfach Qualität war.
Die ISABELLA war eine Schönheit, fuhr mit ihrem modernen Motor auch Bleifrei, kam aber mit Getriebeschäden nie aus der Werkstatt raus.

Die harte Zeit hat auch mich geformt, was mir bis heute Vorteile bringt.
Heute sehe komfortgewohnt nur noch den Extrakt aus guten Erlebnissen.

Ich wünsche Euch Gesundheit, eine schöne Saison und

Allzeit Gute Fahrt.

Rolf
Zuletzt geändert von jan himp am Mo 31. Dez 2018, 14:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Virus » Mo 31. Dez 2018, 13:07

Die Isabella,....mein erstes Auto.
Habe die Tischdeko mal etwas durcheinander gebracht und mein erstes und mein letztes (?) Auto dazwischen gestellt.

Und nu auch von mir einen Guten Rutsch!

Willy

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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von jan himp » Mo 31. Dez 2018, 14:08

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Und als die 8-Zyl. noch 18 l/100 verbrauchten.
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von outdoor » Fr 18. Jan 2019, 19:50

Die leute werden bequemer und fauler
War man früher bei 22 fuss stolzer besitzer müssen es heute mind 32 fuss sein
Liegt sich damit ja schöner im hafen denn - sorry - aber richtig segeln gehen die wenigsten doch heute...
Dann muss es noch bugstrahlruder, e-winsch und e-anker sein.... am besten wäre (wie hr u.a. zeigt) alles kpl. Vom salon aus zu steuern
Auch über das leben der guten seemannschaft lässt sich streiten wenn ich mich in friesland und ostsee umsehe....

By the way: früher kannten die landwirte ihre tiere beim namen heute sind es nummern

Das steak darf ja nichts mehr kosten, da gibt man lieber für den grill geld aus zum prahlen....

Sorry aber die Menschheit entwickelt sich zurück
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Panschmid » Di 22. Jan 2019, 18:21

Servus ihr Lieben,
bin zufällig auf eure Beiträge gestossen und....will mir kein Urteil anmaßen....auch nichts ergänzen....nichts hinzufügen....nur spüren und fühlen....und für mich fühlt sich Alles gut an!
In letzter Zeit sehe ich vieles....was sich da draußen abspielt....und in mir fühle ich Dankbarkeit, viles zu sehen zu erkennen, in mir. Meine Herzensqualitäten überwiegen das emotionale Außen,
das ich-Sein wird stärker,
auch durch die Anteilnahme an Foren,
Allein zu wissen das sich einige zeitnehmen für Rückbezügliches, stärkt mein Inneres, den das Gemeinsame "das neptunische" eröffnet mir mehr Freude als das im außen liegende Ferne.
Immer einen handbreit Wasser unterm Kiel.
immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel wünscht N22 - 3668
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Virus » Di 22. Jan 2019, 20:53

Manche Foren sind richtig nett, dies ist eins davon.

Willy
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Stöhrdebäcker » Di 5. Mär 2019, 19:13

Servus Neptuner,
habe gerade erst diesen tollen Januar-Beitrag gelesen. Schön, wie ihr diese Zeitenwende beschreibt. Die Beiträge sprechen mit aus dem Herzen. Bin '53 geboren und sehe die Welt sehr ähnlich wie ihr.
Gruß
Meinrad
Neptun 23 Bj 1985 Segelnummer 101
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von PEANUTS » Di 5. Mär 2019, 21:18

Moin,
… schöne Beiträge hier. Als 54er aus Dorsten fühle ich mich auch dem Ruhrpott sehr verbunden, wenngleich die Luft in Dorsten besser war als in DO, DU oder OB. Dorsten hatte allerdings auch einen Pütt, einen der letzten... .
Ich hatte zwar das Glück?, in einer privilegierten Gesellschaft geboren worden zu sein, aber das handwerklich Einfache, Ehrliche und Kunstvolle hat mich Zeit meines Lebens fasziniert. Und heute – kurz vor dem Ruhestand – freue ich mich, ein einfaches, altes Segelboot als Familienmitglied zuhaben (außer meinen Kindern und 16 Enkeln/Urenkeln) und mit einfacher und zuverlässiger Technik Wind und Wellen zu genießen. By the way: im vergangenen Sommer verbrachten ein Teil meiner Kids mit Kindeskids einen Segelurlaub, bei dem ich als Skipper den – alten – Ton angab: mit Zeit, Muße und so, wie der Wind weht. Welche eine Begeisterung allerseits. Ein alter Freund sagte mir mal: back to the roots – wie Recht er hat.
Ich freue mich über die Errungenschaften der Neuzeit solange, wenn sie Übertreibungen nicht zur Regel und vermeindlichen Notwendigkeit machen.
In diesem Sinne handbreit und ein schönes Segeljahr
Georg
Neptun 25 KS "PEANUTS II" - Segelnummer 110 - Rufzeichen DG 6997
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Re: Als die Welt noch in Ordnung war

Beitrag von Gerd » Mi 6. Mär 2019, 01:11

Hallo, Neptuner,
ja, wirklich, wie schon von Virus gesagt, dieses Forum ist wirklich nett.
Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor - vielleicht denke ich ähnlich und habe ähnliches erfahren. Woran das wohl liegt...
nun, ich denke, wir sind alle nicht mehr die Jüngsten, kommen aus einer Zeit, die für viele junge Leute schon nicht mehr vorstellbar ist. Aber ich bin dankbar, sie kennengelernt zu haben. Und ein anderer Aspekt aus der sog. guten alten Zeit: Mich hat damals manchmal genervt, daß unsere Mutter immer so viel aus dem Garten geholt und zubereitet hat, diese ewigen Eintöpfe, dazu sonntags Kaninchenbraten, oder die Kotelettes vom Hausschwein...! Auf dem Land in Niedersachsen war das damals so. Und wie froh bin ich heutzutage darüber, daß ich damals 20 Jahre lang nur Bio essen mußte bzw. durfte. Jetzt nur halb so gut zu essen kostet mich beim Einkaufen im Biomarkt ein Vermögen. Leider war man sich damals dessen nie so richtig bewußt und dankbar. Vielleicht weil es so völlig normal und Teil des schlichten Lebensstils war...

Allzeit gute Fahrt,
Gerd
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