Mastklettern bei der N20 ?

Seemannsgarn oder neudeutsch "Smalltalk"
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Andi aus BE
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Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Andi aus BE » Fr 21. Mai 2021, 13:05

Sagt mal, ist von euch schonmal jemand in den Mast einer N20 geklettert ?

Bei mir ist beim letzten Sturm der Verklicker weg geflogen.
Ich bin im Nebenberuf Erlebnispädagoge und baue Mobile-Ropes-Courses.
Geschirr und ausreichend Erfahrungen sind eigentlich vorhanden, aber eher an Bäumen :tone:

Meine Idee:
Kletterseil am Großfall hochziehen und fixieren um daran mit Grigri und Seilklemme hochprussieken zu können.
2. Sicherungsseil am Fockfall hochziehen und fixieren und daran eine Redundanz-Prussiek befestigen.

Frage: Kann die Rolle am Großfall 90kg tragen ? Bei jedem Schritt werden es sicher auch mal 120kg sein und bei einem Ausrutscher gerne auch mal 200kg Fallgewicht (große Fälle sollten es nicht werden, höchstens mal 30cm).

Ich weiß, vermutlich ist es nonsens und es wird immer sicherer und Materialschonender sein, den Mast "eben schnell" zu legen und neu aufzustellen.
Aber ich wüsste gerne, ob es machbar wäre und ob das Material dafür ausgelegt wäre, und naja.... vielleicht mache ich es ja doch :D
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THM
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von THM » Fr 21. Mai 2021, 13:51

Hallo Andi,
für so etwas gibt es normalerweise den Bootsmannstuhl und damit wird man über das Großfall hochgewinscht. Auf einer Neptun 20 würde ich davon aber Abstand nehmen. Selbst wenn die Bruchfestigkeit des Falls und der Rolle gegeben ist hätte ich noch Bedenken wg. der Gewichtsstabilität. 90 kg in der Mastspitze (7m ?) arbeiten gegen 50 cm Ballastkiel. Da reicht eine leichte Krängung und Du liegst günstigstenfalls im Bach oder wenn Du Pech hast auf dem Steg oder in der Nachbartakelage. An Deiner Stelle würde ich den Mast legen.

Gruß
Thomas
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von MX-Hero » Fr 21. Mai 2021, 14:12

Also bei meiner 22er hat das damals funktioniert mit einem Bootsmannstuhl. Uns blieb aber auch nichts anderes übrig, das Großfall rutschte raus und wir mussten irgendwie wieder nach Hause kommen.
Der Glückliche der nach oben ging hatte um die 80kg.
THM hat geschrieben:
Fr 21. Mai 2021, 13:51
... Selbst wenn die Bruchfestigkeit des Falls und der Rolle gegeben ist hätte ich noch Bedenken wg. der Gewichtsstabilität. 90 kg in der Mastspitze (7m ?) arbeiten gegen 50 cm Ballastkiel. Da reicht eine leichte Krängung und Du liegst günstigstenfalls im Bach oder wenn Du Pech hast auf dem Steg oder in der Nachbartakelage. ...
Das ist tatsächlich auch jetzt mit 10 Meter Mast und knapp 900 Kg Kiel auch immernoch mein Bedenken. Sicherlich Grundlos aber irgendwie ist das da. :sorry:
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Tenovice » Fr 21. Mai 2021, 18:55

Das kann man ausrechnen...

Kraft x Kraftarm= Last x Lastarm

F K * l K = F L * l L

Der Drehpunkt dürfte sich irgendwo mittig im Salon wiederfinden. Ich bin mal davon ausgegangen, dass er sich 150cm oberhalb der Kielunterkante befindet.
Die N20 bringt ca. 1 to auf die Waage. Ich unterstelle, dass sich ein Großteil der Massen unterhalb des Drehpunktes befindet und nehme 700kg am Kraftarm an. Wenn ich jetzt einen 7m Mast annehme und vom Mastfuß noch 50cm nach unten in den Drehpunkt unterstelle, dann darf Mast und Mann zusammen 150kg wiegen. Immer davon ausgehend, dass die Lasten am Ende des Hebels anliegen, was beim Mast selbst ja nicht der Fall ist. Ich hätte da keine Bedenken.
Die Beschläge und das Tauwerk sind auch auf der 20er für Bruchlasten von ca. 1 to ausgelegt (hier der Hinweis auf einen neuen Wiki-Eintrag "Bruchlasten"!)

Viel Erfolg...
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von jan himp » Fr 21. Mai 2021, 19:26

Hallo Leute,

Es gibt da weder bei der Neptun noch bei der Sirius Bedenken.
Wer eine Box hat, die flach ist, kann auch das Schwert oder den Kiel in den Schlamm stecken.
Das beruhigt.
Es gibt aber eine Unsicherheit bei der Rolle.
Wenn die noch aus NOVOTEX ist, kann die brechen,
(Das Stirnrad bei den Ford V 4-Motoren brach z.B. pünktlich bei 23000 km.) :Cry:

Bei der Varianta bitte nicht den Versuch einer Mastbesteigung ausführen,
wenn nicht auf talentierte Enkel oder eine magersüchtige 32 kg Partnerin zurückgegriffene werden kann.
Das geht immer schief.

Fijne Pinksteren,

Rolf
ehem. NEPTUN 20 Nr. 848

Wir halsen auch für Enten!
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Andi aus BE » Fr 21. Mai 2021, 19:41

Ich habe eine Box mit Seitenstegen und kann daher sogar noch ein Seil zu beiden Seiten abspannen.
Ich überlegs mir noch, vielleicht schicke ich auch meinen Sohn mit 65 Kg hoch und ich sicher ihn von unten.
Ob ich es überhaupt machen werde, ist auch noch nicht raus.

Aber es interessiert mich einfach, ob es gehen würde.
Auch für den Fall, dass auf Reisen mal so etwas passiert, oder dass ein Fall durchrauscht... oder ne Wante oben bricht (wobei... dann macht man das sowie so nicht mehr :hmm: )
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Tenovice » Fr 21. Mai 2021, 19:55

Box mit Seitensteg... mal ganz einfach an die Leiter gedacht?
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von moekki » Fr 21. Mai 2021, 20:37

Also , ich hab mal meinen Sohn mit 8 Jahren auf einer Friendship 23 hochgewinscht .... dem wurde bei 6m zuviel......das wackelt ganz gut....
meine Frau ist einmal in den Mast der 22erBD geklettert (mit Sicherung im Bootsmansstuhl) und das war schon grenzwertig - und meine beste Navigatorin ist wirklich leicht.
Wenn geht, würde ich lieber den Mast legen, oder noch einfacher, eine Brücke finden ....(in Holland war das immer das einfachste).

Unterschätze nicht, wie das schwankt... Interessant ist dass der Aufstellmoment unserer Boote bei 20-50 kg im Masttop gegen NULL geht.
Gruß Thomas

(früher: Neptun 22 BD)
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von THM » Fr 21. Mai 2021, 20:43

Tenovice hat geschrieben:
Fr 21. Mai 2021, 18:55
Das kann man ausrechnen...
Leider ist es nicht so einfach, das lässt sich in der Wikipedia unter dem Begriff "Metazentrum" nachlesen. Für kleine Krängungswinkel kann man von einem linearen Zusammenhang ausgehen, wird der Winkel größer hängt es von diversen Faktoren ab. Wird durch eine unbedachte Bewegung oder eine Böe der Krängungswinkel zu groß, kippt das Boot. Ein Beispiel ist im Prospekt der Neptun 25 zu sehen. Da hängt eine 75 kg Person im Topp und noch eine weitere Person im Cockpit (Seite 5, unten) bei der Festkiel-Variante. Bei der Neptun 20 KS dürfte deutlich weniger Gewicht reichen. Mich würde man auf den Mast einer Neptun 20 nicht hoch bringen (und ich halte mich nicht für übergewichtig :tone: ).

Gruß
Thomas
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Andi aus BE » Fr 21. Mai 2021, 23:26

Tenovice hat geschrieben:
Fr 21. Mai 2021, 19:55
Box mit Seitensteg... mal ganz einfach an die Leiter gedacht?
Stiiiimmt... zur Seite abspannen und an diese Seite eine Leiter stellen.
Wär ich tatsächlich nicht drauf gekommen.
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Tenovice » Sa 22. Mai 2021, 08:12

Andi aus BE hat geschrieben:
Fr 21. Mai 2021, 23:26

Stiiiimmt... zur Seite abspannen und an diese Seite eine Leiter stellen.
Wär ich tatsächlich nicht drauf gekommen.
Und ich dachte, dass sei als die einfachste Lösung schon längst probiert worden :D
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Ole aus HB » Sa 22. Mai 2021, 11:28

Hallo Andi,

kurze Antwort:
aus meiner Erfahrung mit der 22er kann ich Dir sagen, es geht.

Lange Antwort:
Ich habe es mehrfach so gemacht, wie Du es vorhast: dicke Leine mit Großfall heißen und auf Spannung bringen. Daran zwei Prusikknoten (Ich habe keine Kletterausrüstung). Am unteren hängt ein Brett, auf dem man steht. Am oberen ein Brett, auf dem man sitzt oder ein Bootsmannsstuhl. Dann kann man wie das Kletteräffchen hoch und runter. Sicherung über eine weitere Leine ist eine sehr gute Idee!

Die Rolle im Masttopp sitzt, meine ich, auf einer 4 oder 5mm Edelstahlwelle. Die trägt Deine 90 Kilo, auch wenn die Rolle brechen sollte.

Wir haben mal den Versuch unternommen, die Neptun am Strand auf die Seite zu legen, um am Schwert zu arbeiten. Das geht, aber wir mussten mit einer sehr langen Leine mit drei Mann am Masttopp ziehen, damit das Boot kentert. Klar schaukelt das da oben und ich würde drauf achten, dass niemand an Bord herumturnt, wenn ich da oben bin. Bei Sturm- oder Starkwindböen klettert man sowieso nicht hoch.

Bei ruhigen Bedingungen hatte ich nie das Gefühl, dass das Boot kentern könnte, weil Du Dich gar nicht weit genug aus der Mitte bewegen kannst, um ein ausreichend krängendes Moment zu erzeugen.

Hinweis: Ich schildere hier nur meine Erfahrungen und übernehme keine Haftung oder Verantwortung! Jeder muss selbst wissen, was er sich zutraut und in welchem Zustand das verwendete Material ist! (Nicht nur die Kletterausrüstung, sondern auch alle Teile vom Rigg)

(Persönlich wäre mir eine 7 Meter lange Leiter an einem schmalen, beweglichen Mast angelehnt zu gefährlich!)

Egal, wie Du es machst, nimm ne Kamera mit, das lohnt sich!
Ole
N-29 DK, Bj. 2003, Yamaha FT 9.9 im Schacht
Bis 2021: Miglitsch, goldener Mast, Honda BF75 im Schacht, Baujahr/Segelnummer unbekannt
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Drifter2 » Fr 4. Jun 2021, 08:31

Moin Moin
Ich war jung etwas leichter und es war eine Kamera dabei Oo ....... (sorry für die schlechte Bildqualität, stammt noch aus der analogen Zeit)

Bild
Bild

Damals war mir auch kein Baum oder Dach zu hoch, heute würde ich das wohl nicht mehr ohne Sicherung machen.
Btw. es ist eine 22er BD.
Mein Tipp: so nicht!

Gruß aus dem Norden
Uwe
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Hasso » Di 8. Jun 2021, 14:53

Hallo Andi,
auf der gegenüberliegenden Seite des Sees steht ein Hausboot. Mein Stegnachbar hat dort schon mal den Verklicker ersetzt. Vielleicht mal anfragen.

Grüße Henning
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Re: Mastklettern bei der N20 ?

Beitrag von Black Earl » Fr 11. Jun 2021, 11:45

Wahrscheinlich meinst du das schulungs Hausboot von godewind anfragen kann man auf jeden Fall Mal.
Neptun 210 BJ 1971
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